Ergänzung

Das Geheimnis von Louisenlund von Peter Schraud

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Ende 1778 – Friedrich II. und der 34jährige Feldmarschall Carl von Hessen in Breslau

„Ich hatte eines Tages mit dem König eine ziemlich lebhafte Unterhaltung über die Religion. Er konnte kein Crucifix sehen, ohne gotteslästerliche Reden zu führen, und wenn er davon, sowie von der christlichen Religion, bei Tafel sprach, so konnte ich mich nicht in die Unterhaltung mischen, sondern senkte die Augen und schwieg gänzlich. Der König bemerkte es sehr wohl. Endlich wandte er sich mit Lebhaftigkeit gegen mich und sagte zu mir: ‚Sagen sie mir, mein lieber Prinz, glauben Sie an diese Dinge?‘ Ich antwortete ihm in sehr festem Ton: ‚Majestät, ich bin so sicher, dass ich die Ehre habe, Sie zu sehen, als ich gewiss bin, dass Jesus Christus gelebt hat, und als unser Heiland am Kreuz gestorben ist.‘ Der König blieb einen Augenblick in Gedanken versunken, dann ergriff er plötzlich meinen rechten Arm, drückte ihn kräftig und sagte: ‚Nun wohl, mein lieber Prinz, Sie sind der erste Mann von Geist, der daran glaubt, welchen ich gefunden habe.‘ Ich erwiderte einige Worte, um ihm die Gewissheit meines Glaubens zu wiederholen. – Als ich nach der Tafel durch das anstoßende Zimmer kam, traf ich dort den General Tauenzien allein, den größten und kräftigsten Mann, den ich vielleicht gekannt habe. Er legte mir beide Hände auf die Schultern, benetzte mich mit einem Tränenstrom und sagte: ‚Nun, Gottlob, hab ich doch erlebt, dass ein ehrlicher Mann Christum bekannt hat vor dem König!‘ Der gute Greis überhäufte mich mit Liebkosungen. Ich kann mir diesen glücklichen Moment meines Lebens nicht ohne die größte Dankbarkeit gegen Gott zurückrufen, dass Er mir Gelegenheit gab, meinen Glauben an Ihn und Seinen Sohn vor dem König zu bekennen.“

Aus den Mémoires, 1816 diktiert, deutsch Kassel 1866

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Ergänzung 2

Ein Ausspruch des Prinzen Carl lässt die Idee, die Louisenlund für ihn verkörperte, deutlich werden und Louisenlund über alle Fragen der Gartentheorie und freimaurerischen Ikonographie hinausheben. Auf die Frage eines Freundes, des Grafen Reuterholm:

‚Le Jardin d’Eden, exist-il encore sur la terre?‘

antwortete der Prinz:

‚Je crois, qu’il existe.‘

Für die Freimaurer bedeutete der Garten Eden eine Allegorie auf die ursprüngliche Glückseligkeit des Menschen und die Utopie von der Brüderlichkeit aller Menschen auf Erden. Der Landschaftsgarten wurde zum rituellen Raum für die Arbeit der Freimaurer und zu einem Ort der Kontemplation im Anblick der göttlichen Natur. Für den Prinzen scheint mit der Metapher vom ‚Garten Eden‘ der Dualismus von menschlicher und göttlicher Existenz überwunden zu sein und sich der Traum von der menschlichen Freiheit erfüllt zu haben.“

Aus Christa Fiedler, „Herrenhaus und Park von Louisenlund“, in Landgraf Carl von Hessen 1744-1836. Schleswig 1996 (Ausstellungskatalog).
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One Comment

  1. Christiaan Struelens
    Christiaan Struelens 10. April 2015 at 15:34 . Reply

    Vielen Dank für diese wichtigen Untersuchungen!

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